Italien

Jetzt, wo ich Italien verlassen habe, ist es Zeit für ein Fazit.
Mir ist natürlich klar, dass ich am Ende doch nur sehr wenig von Italien und den Italienern gesehen habe.
So bleibt das Ganze mein persönlicher, höchst subjektiver und begrenzter Eindruck.
Aber immerhin.

Es wäre überhaupt kein Problem gewesen, auch die vollen drei Monate der Busfahrt in Italien zu verbringen.

Italien hat unglaubliche viele, wunderschöne alte Bauwerke.
Sowohl großartige, wie in Venedig und Pisa, als auch ganz normale in kleinen Orten, wie in Sirolo und Tropea.
Dem gegenüber stehen lieblose Neu- und hässliche Industriebauten.
Etwas verkürzt: was alt ist, ist schön – was neu ist, ist hässlich.
Die Dichte an schönen Orten ist aber schon beeindruckend.

Modisch gekleidet zu sein, hat einen deutlich höheren Stellenwert als bei uns.
Außerdem ist die verspiegelte Sonnenbrille zurück, vielleicht war sie hier auch nie weg.
Das kann aber auch an den vielen Überwachungskameras liegen. Damit geht man hier deutlich sorgloser um, überall schaut einen ein Kameraauge an.

Insgesamt schien mir die Westseite landschaftlich schöner als die Ostseite, obwohl es da auch sehr schöne Flecken gab.

Den Zusammenhang zwischen ausgeschilderter Höchstgeschwindigkeit und gefahrener Geschwindigkeit habe ich nicht verstanden.
Während das bei uns ja in der Regel so ist: Gefahrene_Geschwindigkeit = Erlaubte_Geschwindigkeit + 10 – 20%, scheint es hier keine richtige Abhängigkeit zwischen beiden Größen zu geben.
Die Geschwindigkeit wird durch den Zustand der Straße limitiert.

Bei den Italienern reicht die Palette von sehr hilfsbereit bis arrogant.
Nicht anders als bei uns.
Insgesamt erlebe ich die Italiener aber ziemlich zugewandt.
Meistens versuchen sie sich zu verständigen, auch wenn wir gegenseitig unsere Sprachen nicht sprechen.

Manchmal bilde ich mir ein, man spürt einen Zwiespalt zwischen dem Stolz auf alte Grandezza und Kultur und dem Unverständnis, heute der nächste Wackelkandidat der EU zu sein.
Die wirtschaftlichen Probleme sind durchaus hier und da zu sehen.
Dieser Widerwille gegen eine wenig großartige Gegenwart erklärt vielleicht auch die schwierigen politischen Verhältnisse.
Dagegen ist unsere Situation nach der letzten Bundestagswahl ein leuchtendes Beispiel für Stabilität und Vernunft.
Ehrlich gesagt: wenn ich mich zwischen Herrn Berlusconi und Frau Merkel entscheiden müsste, würde mir die Wahl nicht schwer fallen.

Als ich Italien verlassen habe, merke ich aber auch, wie vertraut Italien mir schon geworden ist.
Wie verhalte ich mich auf der Straße, wie im Restaurant, selbst für die Sprache habe ich ein wenig ein Gefühl bekommen.

Jedenfalls habe ich ein paar Ecken im Kopf, für die es sich lohnt, wieder nach Italien zu fahren.

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